Schreibblockaden im Studium überwinden

Schreibblockaden im Studium haben schon viele akademische Karrieren vorzeitig beendet. Was tun, wenn der Abgabetermin immer näher rückt, aber die Seminar- oder Bachelorarbeit einfach nicht vorankommen will? Hier ein Beitrag für alle, denen bereits der Gedanke ans Schreiben Bauchschmerzen bereitet. Die vorgestellten Tipps zeigen, wie sich die Ursachen von Schreibblockaden effektiv und nachhaltig beseitigen lassen.

 

Schreibblockaden im Studium

Wer erkennt sich in der folgenden Situation wieder? Eine wissenschaftliche Arbeit ist zu einem festen Termin in angemessener Qualität fertigzustellen. Der Studienerfolg hängt von diesem Ergebnis ab. Trotz endloser Literaturrecherche und Planung fehlt die zündende Idee. Formulierungen wollen nicht gelingen und das bereits Geschriebene ist einfach nur schlecht. Die Situation wird zunehmend als Belastung wahrgenommen – nichts geht mehr.

Besonders wenn es sich um die wichtige Abschlussarbeit handelt, können sogenannte Schreibblockaden zu ernsten Konsequenzen führen. Im schlimmsten Fall steht die berufliche Zukunft auf dem Spiel. Dieses Worst-Case-Szenario kenne ich aus eigener Erfahrung. Wegen einer nicht fertiggestellten Abschlussarbeit musste ich den Studiengang wechseln und einige Semester später mit einem neuen Thema wieder bei null anfangen.

Der folgende Beitrag will verhindern, dass es so weit kommt. Wer einen wissenschaftlichen Text – egal ob Seminararbeit oder Bachelorthesis – fristgerecht abgeben muss, sollte sich nicht durch einen stockenden Schreibfluss bremsen lassen. Statt frustriert um sogenannte „Schreibblockaden“ zu kreisen, ist Ursachenforschung angesagt.

 

Ursachen für Schreibblockaden

Obwohl im Folgenden immer wieder von Schreibblockaden gesprochen wird, sollen einige kritische Überlegungen den Anfang bilden. Es gibt gute Argumente für die These, dass „Schreibblockade“ ein zu großes Wort für eine eher banale Tatsache ist. Denn wer nicht schreibt und sich dann über sogenannte „Blockaden“ oder „Schreibhemmungen“ beschwert, tritt offensichtlich auf der Stelle.

„Giving a fancy name to feeling frustrated with your writing makes your frustration seem more grave and complex than it is. The cure for writer’s block (…) is writing.“ (Paul Silva – How to Write a Lot*)

 

In der Praxis sind Schreibblockaden meist nichts anderes als die Unzufriedenheit mit der eigenen Textproduktion. Niemand, der den Weg bis zur Uni geschafft hat, verlernt spontan zu schreiben. Aus diesem Grund macht es keinen Sinn, um irgendwelche nebulösen Blockaden oder Hemmungen zu kreisen. Die Feststellung, nicht schreiben zu können, wird den eigentlichen Problemen nicht gerecht und bietet deshalb auch keine Lösungsansätze.

 

Warum fällt es mir schwer zu schreiben?

Zielführend kann nur die Suche nach den Ursachen mangelnder Qualität und Produktivität sein. Warum verspürt man massive Abneigung vor der Schreibarbeit und putzt stattdessen lieber die Wohnung? Wie ist es möglich, durch all die Jahre Schule und Uni gekommen zu sein und nun keinen halbwegs passablen Satz auf die Reihe zu bekommen?

Die Lösung jeder Schreibblockade liegt in der Antwort auf die Frage: Warum fällt es mir schwer, guten Text in angemessener Zeit zu schreiben?

 

Eins sollte klar sein: Auf keinen Fall möchte ich die Probleme bagatellisieren, die beim Schreiben einer Seminar- oder Abschlussarbeit auftreten können. Gutes akademisches Schreiben ist ohne Frage harte Arbeit. Entsprechend hoch ist somit auch die Gefahr, vom Kurs abzukommen.

Meine Erfahrungen als Ghostwriter und ehemaliger Langzeitstudierender zeigen, dass bestimmte Verhaltensmuster besonders häufig Probleme beim Schreiben verursachen. Meiner Meinung nach ist der größte Teil aller Schreibblockaden auf die folgenden Idealtypen zurückzuführen.

 

Hauptsache irgendwas geschrieben: der Frühstarter

Kaum ist das Thema der Arbeit bekannt, beginnt der Frühstarter damit Seite um Seite zu füllen. Jede Idee wird mit fantastischer Geschwindigkeit in Text umgesetzt – vermutlich wird nur die Hälfte der verfügbaren Zeit benötigt. Aber der Schein trügt!

Wer unter allen Umständen schnelle Ergebnisse sehen will und deshalb ohne gute Planung drauflos schreibt, wird früher oder später wegen fehlender Struktur und löchriger Argumentation Probleme bekommen.

Die übereilte Textproduktion sorgt beim Schreiber zwar kurzfristig für ein gutes Gefühl, weil man scheinbar äußerst produktiv ist und super im Zeitplan liegt. Langfristig resultiert sie jedoch in stockendem Schreibfluss und ganzen Kapiteln, die gelöscht oder umgeschrieben werden müssen.

 

Viel hilft viel: der Materialsammler

Der typische Materialsammler schnappt sich so ziemlich alles, was auch nur im Entferntesten mit seinem Thema zu tun hat. Hunderte von E-Books landen auf der Festplatte. Die Studentenbude mutiert zunehmend zur Kopie der Fachbereichsbibliothek. Trotzdem wird immer weiter recherchiert und gesucht.

Nicht selten mangelt es bis zum Abschluss an grundlegenden Fähigkeiten, was  das Lesen und Exzerpieren umfangreicher Textsammlungen angeht. Es werden Unmengen an Zitaten gesammelt, ohne diese gedanklich zu verarbeiten und in den neu zu schreibenden Text mit ihren Kernaussagen in eigenen Worten einzubinden. Auf diese Weise sammelt man sich eher zu Tode, als zu einem schlüssigen akademischen Text zu kommen.

Auch hier kann man sich lange Zeit in die eigene Tasche lügen, weil man zufrieden auf eine stetig wachsende Materialsammlung blickt. Irgendwann stellt man fest, dass man zwar 800 Zitate in Citavi eingepflegt, aber nichts richtig verstanden hat. Von einer tragfähigen Problemstellung und Argumentation ganz zu schweigen.

 

Das ist noch nicht gut genug: der Selbstkritiker

Viele Studierende leiden in Bezug auf ihre Texte unter den größten Selbstzweifeln. Nichts erscheint ihnen gut genug, die Perfektionsansprüche sind einfach zu hoch. Die ausgeprägte Angst, etwas falsch zu machen, kommt meist noch dazu.

Vertreter dieser Gruppe haben kein Problem damit, eine Stunde an einem Satz zu feilen, um ihn letztendlich zu löschen. Vermutlich leiden die Selbstkritiker am meisten darunter, wissenschaftliche Texte schreiben zu müssen. Sie kämpfen um jeden Satz, jede Formulierung, jedes Synonym – und sind am Ende doch unzufrieden und voller Selbstzweifel.

 

Chaos regiert: der Zeitakrobat

Typisch für diesen Typ ist die unrealistische oder komplett fehlende Zeitplanung. Ihm ist nicht wirklich klar, was wann in welcher Zeit zu erledigen ist. Das beruhigende Mantra lautet: Es ist ja noch so viel Zeit bis zum Abgabetermin; wird schon passen!

Irgendwann während der Bearbeitungszeit stellt er fest, dass die verbleibende Zeit ernsthaft knapp wird. Wie ich bereits im Beitrag zum Thema Timeboxing erläuterte, ist moderater Zeitdruck kein Problem und kann sogar die Produktivität steigern. Beim Zeitakrobaten liegen die Dinge aber gänzlich anders.

Bei ihm zeigen sich immer wieder Gefühle der Überforderung bis hin zur Panik; von motivierendem Zeitdruck kann keine Rede mehr sein. Stattdessen ist das Gegenteil der Fall. Bereits der Gedanke ans Schreiben verursacht Bauchschmerzen und es werden alle möglichen und unmöglichen Begründungen für das Aufschieben der Arbeit gesucht.

 

Schreibblockaden im Studium überwinden Teil 1:
Entscheidungen treffen!

Die Ursachen von Schreibblockaden liegen oft in nicht konsequent getroffenen Entscheidungen. Wer mitten in der Abschlussarbeit feststellt, dass die der Arbeit zugrundeliegende Fragestellung noch immer vage ist, hat keine Schreibblockade, sondern einen unklaren und somit defizitären Arbeitsauftrag. Wer sich nicht für Formulierung A oder Formulierung B entscheiden kann, leidet nicht etwa an einer Schreib- sondern an einer Entscheidungsblockade.

Für das akademische Schreiben gilt: Es ist eine schlechte Entscheidung, keine Entscheidungen zu treffen.

 

In der Praxis gibt es viele Studierende, die sich permanent um wesentliche Weichenstellungen herummogeln, indem sie diese aufschieben. Es muss noch mehr recherchiert, gelesen und zusammengefasst werden. Es wird so ziemlich alles getan, um grundlegende Entscheidungen zu vermeiden. Hinter dieser subtilen Form des Prokrastinierens steht nichts anderes als die Angst vor falschen Entscheidungen und den befürchteten Konsequenzen.

Dieses Verhalten führt früher oder später zu ernsten Problemen, da man so keine klare Vorstellung vom Sinn und Zweck der Arbeit entwickeln kann. Es liegt auf der Hand, dass unter diesen Bedingungen kein brauchbarer Text entsteht.

Die Notwendigkeit, sich entscheiden und festlegen zu können, ist die wesentliche Voraussetzung akademischen Schreibens. Man kann es sich nicht oft genug ins Gedächtnis rufen: In Anbetracht der verfügbaren (und immer zu knappen) Zeit kann man weder alle Texte lesen noch auf die perfekte Formulierung hoffen. Egal ob es um die Fragestellung, die Auswahl geeigneter Quellen oder Formulierung im Detail handelt – man muss Entscheidungen treffen.

 

Schreibblockaden im Studium überwinden Teil 2:
Rahmenbedingungen prüfen

Für produktives und gutes akademisches Schreiben müssen grundlegende Voraussetzungen gewährleistet sein. Wenn der Schreibfluss stockt, sollten daher zuerst die Rahmenbedingungen der Schreibsituation geprüft werden. Die folgende Checkliste hilft dabei, Defizite aufzuspüren und so produktives Schreiben zu ermöglichen.

 

1. Schritt: Analyse der aktuellen Situation

Eine erste Bestandsaufnahme hilft dabei, grundlegende Probleme aufzuspüren und Strategien zu deren Lösung zu entwickeln. Beim Schreiben einer Abschlussarbeit sollten folgende Punkte so früh wie möglich geklärt sein:

  • Ist die Frage-/Problemstellung klar formuliert?
  • Was ist noch alles bis zur fertigen Arbeit zu tun?
  • Was sind die nächsten wichtigsten (!) Arbeitsschritte?
  • Habe ich ein Zeitproblem?
  • Gibt es andere Probleme (z. B. Geld, Beziehung, Psyche)?
  • Kann ich für Entlastung sorgen (z. B. Verlängerung der Abgabefrist oder sonstige Unterstützung)?
  • Ist es überhaupt möglich, die Arbeit fristgerecht abzuschließen?
  • Will ich die Arbeit wirklich abschließen?
  • Bin ich zu maximalem Einsatz bereit?

Zwei Aspekte sind überlebenswichtig: Klarheit darüber, was noch zu erledigen ist und ausreichend Zeit, um alles erledigen zu können. Klarheit bedeutet auch, dass man sich Gedanken über die Prioritäten der verbleibenden Aufgaben gemacht hat. Ein mittelmäßiger, aber vollständiger Text ist besser als eine sehr gut formulierte, aber nur halb fertige Arbeit. Die Lektüre der wesentlichen Grundlagenliteratur hat Vorrang gegenüber zielloser Internetrecherche.

 

2. Schritt: Gesamtplanung – Wochenplanung – Tagesplanung

Wer bereits einen Zeitplan für die noch zu erledigenden Aufgaben erstellt hat, kann diesen Punkt überspringen. Alle anderen sollten sich spätestens jetzt Gedanken darüber machen, wie sie sich die verbleibende Zeit bis zum Abgabetermin der Arbeit einteilen.

 

Gesamtplanung: Was noch zu tun ist

Zuerst erfasst man alle Aufgaben, die noch zu erledigen sind. Diese Gesamtplanung hilft dabei, den Überblick zu behalten und nicht noch mehr in Zeitnot zu geraten. Zwecks Übersicht sollten diese in überschaubare Teilaufgaben zerlegt werden, für die sich der Zeitaufwand halbwegs einschätzen lässt. Besonders bei Zeitnot wird schnell klar, dass man nicht stundenlang an einem schwer verständlichen Text oder dem perfekt formulierten Satz verweilen kann.

 

Tagesplanung: Die nächsten Arbeitsschritte

Für den jeweiligen Arbeitstag sorgt die Tagesplanung für Fokus und Klarheit, was die aktuellen To-dos angeht. Dabei wird nach Priorität der Aufgaben vorgegangen, d. h. das Wichtigste zuerst. Sinnvoll ist die Ergänzung der Tagesplanung durch eine Wochenplanung. Die besonderen Vorteile der Wochenplanung habe ich bereits in dem Beitrag „Wochenplanung schlägt Tagesplanung“  dargestellt.

Auch regelmäßige Pausen sind schon vorab festzulegen. Ideal lässt sich dafür der Timer des Smartphones nutzen. Möchte man auf Nummer sicher gehen und potenzielle Ablenkungen vermeiden, bietet sich ein günstiger Küchentimer an. Techniken wie die Pomodoro-Methode oder Timeboxing können zusätzlich für mehr Motivation und Effizienz sorgen.

Unbedingt empfehlenswert ist es, am Ende eines Arbeitstages die Planung für den Folgetag vorzunehmen. Aus meiner Sicht sollte der Einstieg in den Tag nicht mit der Frage beginnen, was überhaupt zu tun ist. Deutlich besser ist es, bereits mit geplanter Klarheit und Fokus in den Tag zu starten.

 

3. Schritt: Arbeitsplatz organisieren und optimieren

Nicht nur die Tagesplanung sollte bereits am Vortag erledigt werden. Auch der Arbeitsplatz ist entsprechend vorzubereiten. Dazu gehören die notwendigen Unterlagen wie Bücher, Kopien oder Dateien – aber auch nicht mehr!

Es mag beeindruckend sein, wenn man die halbe Fachbereichsbibliothek ausgeliehen und vor sich auf dem Schreibtisch aufgetürmt hat. Das Arbeiten wird dadurch aber nicht einfacher. Besonders um unnötiges Suchen und gefühlte Überforderung zu vermeiden, sollte man sich auf das wirklich benötigte Material beschränken.

Block und Stift sollten immer für den Fall bereitliegen, dass man einen spontanen Gedanken notieren möchte. Es fällt so leichter, direkt wieder die Arbeit aufzunehmen. Auch muss man nicht befürchten, etwas zu vergessen. Gleiches gilt für Getränke. Kaffee, Tee und Wasser sollten mit einem Handgriff verfügbar sein.

 

Störquellen konsequent beseitigen

Um konzentriert arbeiten zu können, sind Störquellen, soweit es möglich ist, zu beseitigen. Chat- und Mailprogramme bleiben geschlossen, das Smartphone stummgeschaltet. Freunde und Familie informiert man am besten schon vorab darüber, nicht gestört werden zu wollen. Nicht jede Störung lässt sich jedoch einfach so abstellen. Lärm und alle Formen akustischer Störungen wirken sich schnell negativ auf die Konzentration aus.

Wenn es nicht möglich ist, den Arbeitsplatz in eine ruhige Umgebung zu verlagern, muss man nach Alternativen suchen. Für meine Abschlussarbeit verwendete ich eine Kombination aus Ohrstöpseln und einem Kopfhörer mit Noisecancelling-Funktion. So konnte ich 90 Prozent der Umgebungsgeräusche ausblenden – eine echte Wohltat!

 

Ergonomie des Arbeitsplatzes

Das der Arbeitsplatz ergonomisch, hell und idealerweise in der Nähe eines Fensters sein sollte, ist klar und soll hier nicht weiter vertieft werden. Auch ein guter, ausreichend großer Monitor ist empfehlenswert. Allerdings muss man manchmal einfach mit der gegebenen Situation auskommen.

Noch vor nicht allzulanger Zeit wurden Dissertationen auf Schreibmaschinen getippt und Klassiker der Weltliteratur im Licht von Kerzen und Öllampen geschaffen. So betrachtet dürfte die heutige technische Ausstattung in den wenigsten Fällen die Ursache für Schreibblockaden sein 😉

 

Schreibblockaden im Studium überwinden Teil 3: Sofortmaßnahmen – 8 Denk- und Schreibanstöße

Die Planung für den heutigen Tag ist klar und der Arbeitsplatz optimal vorbereitet. Niemand stört und die Finger könnten eigentlich über die Tastatur fliegen. Eigentlich. Trotzdem will der Einstieg einfach nicht gelingen. Oder man hat bereits einige Zeilen geschrieben (mit denen man nicht wirklich zufrieden ist) und kommt plötzlich nicht mehr weiter. Die folgenden Tipps können in solchen Situationen als Sofortmaßnahmen dienen.

 

1. Mit einer leichten Aufgabe beginnen

Wenn der erste Satz nicht gelingen will, kann man zum Einstieg mit einer leichteren Schreibaufgabe beginnen. Entscheidend ist, dass man tatsächlich mit der Schreibarbeit vorankommt. Falls es einen theoretischen Teil gibt, müssen vielleicht grundlegende Definitionen formuliert werden, mit denen man sich warmschreiben kann.

Generell ist es empfehlenswert, mit anspruchsvollen Aufgaben in den Arbeitstag zu starten. Einfach aus dem Grund, weil man zu dieser Zeit mehr Energie hat. Für Morgenmuffel kann es aber durchaus sinnvoll sein, die anspruchsvolle Schreibarbeit auf einen späteren Zeitpunkt zu legen.

Unbedingt zu vermeiden sind subtile Formen der Prokrastination. Der Profi-Aufschieber rechtfertigt sein Nichtschreiben mit weiterer Recherche im Internet oder Texten, die noch gelesen werden müssen. Dabei handelt es sich aber um nichts anderes als einer schlauen Vermeidungsstrategie.

 

2. Perfektionismus ablegen

Wenn der Einstieg ins Schreiben nicht gelingen will: trotzdem anfangen! Es ist besser, mit einem mittelmäßigen Satz die Schreibarbeit zu beginnen, als eine halbe Stunde nach dem perfekten Einstieg zu suchen. Einfach loslegen und eine gewisse Unzufriedenheit hinnehmen; nachbessern kann man auch später noch.

Wer mit dem eigenen Text chronisch unzufrieden ist und Formulierungen gefühlt hundert Mal umstellt, profitiert doppelt. Zum einen steigt die Effizienz des Schreibens. Zum anderen arbeitet man auch daran, das Selbstwertgefühl vom Leistungsgedanken zu entkoppeln.

Wer sich von der Illusion allumfassender Perfektion besonders angezogen fühlt, sollte immer daran denken, dass „perfekt“ nichts anderes als Vollkommenheit bedeutet. Im Grunde genommen haben nur Gott und Chuck Norris Anspruch auf diesen Nimbus. Beim akademischen Schreiben sollte man davon besser Abstand nehmen.

 

3. Freewriting

Beim sogenannten Freewriting handelt es sich um eine Methode des Kreativen Schreibens, die oft zum Überwinden von Schreibblockaden eingesetzt wird. Innerhalb einer definierten Zeit wird ohne Unterbrechung geschrieben. Die Inhalte sind egal, es kann prinzipiell alles geschrieben werden, was gerade in den grauen Zellen herumgeistert. Wichtig ist vor allem, dass keine Verzögerungen durch Nachdenken oder Korrekturen entstehen. Auch wenn die Sätze chaotisch oder unsinnig wirken – immer weiterschreiben!

Für das akademische Schreiben bietet sich eine zielgerichtete Form der Technik an. Den Startpunkt bildet ein Stichwort, dass einen möglichst engen Bezug zu der folgenden Schreibarbeit aufweist. Eine überschaubare Mindmap wäre ebenfalls geeignet. Zusätzlich wird ein Timer auf fünf bis zehn Minuten eingestellt.

Ist der Timer gestartet, wird ohne Unterbrechung geschrieben. Alle Gedanken, die im Zusammenhang mit dem Stichwort aufkommen, füllen in den folgenden Minuten das Blatt Papier. Hier können bereits mehr oder weniger enge Bezüge zu der sich anschließenden Schreibarbeit hergestellt werden. Was will ich leisten? Welche Inhalte sollen bearbeitet werden? Was ist mir klar bzw. was ist mir unklar und macht Probleme? Entscheidend ist nicht die Qualität des Inhalts, sondern der stetige Schreibfluss ohne Stocken.

 

4. Ständig kleine und kleinste Arbeitsschritte abschließen

Einzelne Textabschnitte und Kapitel können hinsichtlich des zeitlichen Aufwands und auch was die intellektuellen Herausforderungen angeht, sehr unterschiedlich sein. Bevor man sich unverhältnismäßig lange in einen Satz oder ein spezielles Kapitel verbeißt, sollte man andere Arbeitsschritte vorziehen und erledigen.

Wichtig ist dabei, dass man mit diesen To-dos auch wirklich dem Ziel näherkommt! Es muss sich also um Aufgaben handeln, die die Kriterien SMARTer Ziele erfüllen und einen messbaren und vor allem notwendigen Beitrag zur Fertigstellung der Haus- oder Bachelorarbeiten leisten.

Auf diese Weise lassen sich schlechte Tage sehr gut kompensieren. Nicht immer ist man für die anspruchsvollsten Teile einer wissenschaftlichen Arbeit in Form. Alternative Aufgaben, die auch erledigt werden müssen, sorgen für gleichbleibend hohe Produktivität. Frustrierende und zudem zeitverschlingende Schreibblockaden können so entschärft werden.

 

5. Timeboxing mit der Pomodoromethode

Studien haben gezeigt, dass man seine Produktivität durch selbstauferlegten Zeitdruck erhöhen kann. Dabei ist wichtig, dass man diese Entscheidung selbst trifft und sich somit weder überfordert noch fremdbestimmt fühlt.

Zwei Techniken konzentrieren sich auf fixe Zeitblöcke für klar definierte Aufgaben. Beim Timeboxing wird ein fester Zeitblock einer konkreten Aufgabe zugewiesen. Es wird ebenfalls klar festgelegt, was am Ende der Zeitspanne geleistet sein soll.

Die Pomodoro-Methode ist eine spezielle Form des Timeboxings. Aufgaben aus der To-do-Liste werden in 25-minütigen Arbeitsblöcken abgearbeitet. Nach jedem Pomodoro-Zyklus wird eine kurze Pause gemacht; nach vier Pomodori folgt eine längere Pause.

Besonders die letzte Methode kann für Studierende sehr hilfreich sein. Für 25 Minuten kann die Konzentration auf hohem Niveau gehalten werden. Der Timer sorgt für Fokus und dafür, dass man sich auch an die Pausenzeiten hält.

 

6. Mit eigenen Worten geht immer

Normalerweise hat man mit dem Schreiben keine Probleme. Mail, Briefe und Ansichtskarten – kein Problem. Nur wenn es sich um die vermaledeiten Seminararbeiten handelt, gehen die Lichter aus.

Beim wissenschaftlichen Schreiben sind Qualitätsmaßstäbe anzulegen, die nicht jedem Freude bereitet. Klarheit im Ausdruck und schlüssige Argumentationen wirken gegenüber der alltäglichen Sprache kalt und nüchtern.

Wem es schwerfällt, sofort den Schalter auf Wissenschaftssprache umzulegen, kann an heiklen Stellen durchaus in eigenen Worten formulieren. Bandwurmsätze können ebenso wie unnötige Füllwörter und sonstige Schwurbeleien später entfernt werden. 

 

7. Warum nicht mal richtig schlecht?

Was ist schlechter als ein wirklich schlechter Text? Richtig: Gar kein Text 😉 Wer mit der Qualität des Geschriebenen unzufrieden ist, sollte sich diese banale und doch immer wieder gerne ignorierte Tatsache bewusst machen.

In der Regel werden die meisten Texte nochmals überarbeitet und idealerweise von Dritten gegengelesen. Zum Optimieren ist deshalb noch genügend Zeit vorhanden.

Es handelt sich hier nicht um die Aufforderung, ohne schlechtes Gewissen ausschließlich Müll zu schreiben! Allerdings braucht es beim Schreiben immer auch eine ordentliche Portion Akzeptanz für suboptimalen Output. Voraussetzung dabei ist, dass man sich im Rahmen der Möglichkeiten auch tatsächlich angestrengt und bemüht hat. 

 

8. Wenn gar nichts geht

Was ist aber, wenn wirklich überhaupt nichts geht? Wenn alle zuvor genannten Blockadebrecher wirkungslos ins Leere gelaufen sind? In diesem Fall muss man wohl oder übel die Situation aushalten bzw. das Beste aus ihr machen.

Unter die Rubrik des Aushaltens fällt die Technik, für die gesamte eingeplante Arbeitszeit am Tisch zu sitzen, das leere Blatt bzw. den leeren Bildschirm vor Augen. Die einzige Auflage ist, dass man nicht in Träumereien über den nächsten Urlaub oder sonstige Spaßveranstaltungen verfallen darf. Es gilt, die Schreibblockade bewusst zu ertragen. Den meisten wird es nicht gelingen, für längere Zeit überhaupt keinen Text zu produzieren 😉

Eine angenehmere und vermutlich erfolgversprechendere Option besteht in einem Spaziergang in der Natur. Als entspannende Maßnahme steigt die Wahrscheinlichkeit, danach wieder produktiv arbeiten zu können. Nicht selten kommen bei solchen Spaziergängen die besten Ideen zum Vorschein. Dies sollte man sofort dokumentieren, indem man immer Stift und Zettel bzw. das Smartphone mit sich führt.

Das Smartphone als Diktiergerät eignet sich generell, um spontane Einfälle und Ideen zu sichern. Wer beim Schlafen das Smartphone nicht direkt am Bett hat, kann stattdessen Block und Stift für nächtliche Geistesblitze bereitlegen.

Alle Formen von Prokrastination, d. h. Verdrängungs- und Vermeidungsstrategien sind unbedingt zu vermeiden. Sie kosten Energie, die für produktives Arbeiten nicht mehr verfügbar steht und blockiert die intellektuelle Auseinandersetzung mit der eigentliche Aufgabe, eine wissenschaftliche Fragestellung zu bearbeiten. Wer nicht schreiben kann, sollte daher weder bis zur Erschöpfung die Wohnung putzen, noch bis tief in die Nacht die Playstation heißlaufen lassen.

 

Fazit

Es sollte klar geworden sein, dass der Begriff „Schreibblockade“ von Mensch zu Mensch vollkommen unterschiedliche Ursachen haben kann. Oft handelt es sich um einen Mix aus handwerklichen Defiziten und „psychischen Bremsklötzen“, die gutes und vor allem produktives Schreiben verhindern.

Somit dürfte klar sein, dass alle Patentlösungen kritisch zu sehen sind. Was bei Person A  funktioniert, kann bei Person B vollkommen wirkungslos sein. In den meisten Fällen machen Probleme mit der Textproduktion schon früh im Studium auf sich aufmerksam. Tritt das Problem immer wieder auf, muss Ursachenforschung betrieben werden.

Vielleicht sind es „nur“ Defizite im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens. Eventuell liegen die Ursachen aber auch tiefer und haben ihren Ursprung in der Psyche. Ausgeprägte Formen von Prokrastination und/oder Perfektionismus weisen auf Letzteres hin. Hier sollte auf jeden Fall eine Beratungsstelle oder ein entsprechender Facharzt aufgesucht werden.

In den meisten Fällen genügt es bereits, sich der Herausforderung zu stellen und mit einer Kombination aus Akzeptanz und motiviertem Einsatz die Sache über die Bühne zu bringen. Nach dem Abschluss interessiert sich meist niemand mehr für die konkrete Note der Abschlussarbeit. Und vor allem: Es ist nur eine Note! Für den zukünftigen beruflichen Erfolg ist sie nur ein Faktor unter vielen. Zieht das Ding also einfach durch!

 

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